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11. September 2001, 23.20 Uhr


(Ich bin) ohne Worte...

Mindestens 20 mal habe ich jetzt im Fernsehen gesehen, wie das zweite, von Wahnsinnigen gesteuerte Flugzeug mitten in's World Trade Center raste. Explodierte. Das Gebäude letztlich zum Einsturz brachte.

Und kann's noch immer nicht glauben...


Und mir fehlen die Worte. Trotzdem habe ich das Bedürfnis, meine Gedanken schriftlich auszudrücken. Viele andere haben das, genau wie ich, bereits in ihren Weblogs und Diaries getan. Mehr oder wenig sprachlos wie ich.

Im Büro habe ich es, um 16 Uhr aus der "Mittags"pause wiederkommend, zuerst gehört. Kann es nicht glauben. Versuche am nächstbesten PC, auf eine Nachrichtensite zu kommen. Nichts zu machen, trotz Standleitung. Alles ist überlastet. RP-Online sind die ersten, die ich wieder erreiche. Ein Text-Newsticker liefert im Sekundenabstand immer neue, schreckliche Details. Zunächst mehr Mutmaßungen als Fakten, dann mehr und mehr das schreckliche Gegenteil; die ersten Fotos.
Ich kann's nicht glauben, als ich das Foto mit dem Flieger kurz vor dem Einschlag sehe. Mir kommt nur noch ein "Mein Gott!" über die Lippen, was sehr selten ist (weil ich damit nur "sparsam" umgehe). Gott, war das nicht zu verhindern???

Mir wird schlecht. Die Freude, die ich noch am Vormittag über eine gelungene Server-Installation empfunden habe, ist weg. Ich habe das Gefühl, gleich kommen Tränen. Die letztlich doch ausbleiben, obwohl sie (mir) vielleicht helfen würden.

Keine Kraft, meine Arbeit fortzusetzen. Schaue mir mit Kollegen die unfaßbaren Bilder und Berichte an. Dann der grösste Schock: ein Turm ist eingestürzt. Kann es nicht glauben. Eingestürzt? Wie kann das sein? Selbst das Bild mit der Riesen-Staubwolke kann mich noch nicht richtig überzeugen. Fühle mich mehr und mehr neben mir stehen. Denke: "Wie in einem schlechten Film." Wie im Film "Ausnahmezustand" mit Bruce Willis und Denzel Washington. Dann die Nachricht, dass auch der zweite Turm eingestürzt ist.

Fahre schließlich um 18 Uhr nach Hause und schalte sofort den Fernseher ein. Und schaue mir die x-te Wiederholung der immer gleichen Schreckensszenen an. Sehe mir die immer wieder gleichen, rat- und fassungslosen Kommentare, Mutmaßungen, Fragen. Muss ich mir das ansehen? Ist das Senstationslust? Oder der Wunsch, alles möge nicht so schlimm sein wie es sich anhört?


12. September, 0.05 Uhr:

Höre gerade im Radio von Raketeneinschlägen im afghanischen Kabul. Sind das die Reaktionen der USA? So sehr ich das auch verstehen könnte, bringt das etwas, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten? Ob das so ist, wird noch nicht bestätigt. Wird die Situation eskalieren? Werden noch mehr Zivilisten, genauso unschuldig wie in den USA, sterben? Dass fanatisierte Palästinenser über den Bildschirm tanzen, ist zwar unerträglich. Aber werden Gegenschläge ihren Hass nicht nur verstärken? Aber "nichs tun" wäre genauso falsch.

Verurteilen ist leicht, wenn man keine Entscheidungen für eine ganze Nation (und vielleicht die ganze Welt) treffen muss...

Es erscheint mir ein bisschen einfach, jetzt noch einmal Gott "in's Spiel" zu bringen. Aber letztlich ist er der Einzige, der wirklich "eingreifen" kann, helfen kann, dass die Situation sich nicht noch weiter zuspitzt. Dass wenigstens einige der Beteiligten einen kühlen Kopf behalten...

Gott sei uns allen gnädig!


Links:

Petition zum "Aufruf zur Besonnenheit" bei RP-Online unterzeichnen

Call for Peace & Justice! - 1 Mio. Stimmen sind das Ziel der Petition, die an George W.Bush gerichtet ist. Mehr als 60.000 Unterzeichner bis zum Abend des 16. Septembers. Jetzt, am 17. September um 13 Uhr über 72.800 Unterzeichner: http://www.thepetitionsite.com/takeaction/224622495

Medienkritik
Über Psychologischen Effekt der schrecklichen Ereignisse

Denkanstösse und Hintergrundtexte
Weitere Links zu Hintergrundinformationen im Krit-Letter



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