In meinem Firmenblog-Artikel Meine liebsten Firefox-Addons habe ich bereits meine Begeisterung über zwei der kreativen Bücher von Sabine Bohlmann gezeigt. Da die Bücher aber wenig mit Firefox-Addons zu tun haben, schreibe ich mehr über die Bücher jetzt hier in diesem Artikel.
Sabine Bohlmann, wahrscheinlich optisch am bekanntesten aus der Soap “Marienhof”, stimmlich wahrscheinlich weniger bekannt (obwohl schon öfter gehört) aus vielen Zeichentrickfilmen/-serien und anderen Filmen, hat neben diesen Tätigkeiten als Schauspielerin und Synchronsprecherin auch einige Bücher veröffentlicht. Möglicherweise nicht soo bekannt, aber meiner Meinung nach nicht weniger ansprechend.
Ein Löffelchen voll Zucker
Das erste Buch was wir kauften, war das Buch Ein Löffelchen voll Zucker… und was bitter ist wird süß!*
Zitat aus dem Rückentext:
Bücher über Erziehung und Förderung der Kleinen gibt es zur Genüge. Was diese theorielastigen Ratgeber jedoch in aller Regel vermissen lassen, ist die Konzentration auf das Wesentliche im Umgang mit Kindern, nämlich Liebe, Einfühlungsvermögen und Fantasie.
“Ein Löffelchen voll Zucker…” ist eine gelungene Mischung aus Erziehungsratgeber und Bastel- und Spielebuch. Wer nach kreativen Ideen für den Umgang mit den lieben Kleinen sucht, ist hier richtig.
Der Erziehungsteil dreht sich vor allem um Tipps und Tricks für den Alltag. Wie können wir das Familienleben einerseits mit Humor, Liebe und Fantasie gestalten, aber andererseits auch den Kindern auf spielerische Weise gute Manieren beibringen? Es geht ums Streiten, Helfen im Haushalt, Angst- Glücks- und andere Gefühle und den Umgang mit Zeit und Geld.
Im Spiel- und Bastelteil geht es dann um kreative Ideen für die lange Autofahrten, Kindergeburtstage und verregnete Nachmittage nach Kindergarten und Schule, an denen Kinder trotz einem mit Spielsachen vollgestopften Zimmer nicht wissen, was sie machen sollen.
Da wurde es mir bei den herrlich unperfekten, aber mit Herzblut hergestellten Basteleien warm ums Herz – und leichter. Denn auch als Eltern meinen wir ja oft, die Kinder müsse alles perfekt sein. Es kommt zu oft auf Leistung an, auf ein perfektes Ergebnis. Warum bewerten wir schon bei kleinen Kindern Bilder nach dem Ergebnis, nach der Schönheit? Wobei noch zu klären wäre, was “schön” ist. Zu oft wird da mit anderen Kindern verglichen, ob das eigene Kind nicht etwas besser kann – und damit besser ist. Wirklich?
Ist es nicht besser, wenn die Kinder beim Basteln die Welt um sich herum zu vergessen (in der Arbeitswelt nennen wir das gerne “Flow”), auch wenn das gebastelte Häuschen etwas windschief ist? Selbständigkeit lernen Kinder nicht durch perfekte Pflichterfüllung, sondern beim kreativen Schaffen, beim Fehlermachen, beim Ausprobieren wie man Pappe und Papier falten und kleben muss, damit es eine bestimmte Form bekommt – nicht beim Ausschneiden von vorgedruckten Bastelbögen…

Ein für mich interessantes Beispiel ist das der Kugelbahnen. Unsere Kinder haben eine Kugelbahn von HABA
*. Für teuer Geld zu Weihnachten gekauft, auch wenn Material und Verarbeitung wahrscheinlich den Preis wert sind. ABER – Sabine Bohlmann hat mir in ihrem Buch gezeigt, wie man so eine Kugelbahn für billig Geld, nämlich mit Klebeband, Klopapier- und Küchentuchrollen einmal vom Hochbett aus durchs ganze Zimmer bauen kann – und dabei viel mehr Spaß hat. Wenn ich das vorher gewusst hätte…
Also, „Ein Löffelchen voll Zucker“ ist kein Erziehungsratgeber für die schwierigen Zeiten der Trotzphase und wahrscheinlich hilft es auch nur bedingt bei “temperamentvollen” und/oder “willensstarken” Kindern. Aber eine gute Ideenkiste für die Freizeit mit den Kindern.
Womit ich zum Buch Ideenreich*
komme
2008 erschienen und von mir vor ein paar Wochen gekauft, gibt es in diesem IdeenReich (das in der Tat ein eigenes Reich war, nämlich ein für 3 Monate gemieteter Kellerraum) eine Fortsetzung und Erweiterung der in “Ein Löffelchen…” vorgestellten Bastelideen. Auch die Kugelbahn hat hier noch mal eine eigene Seite, und einige der im Löffelchen-Buch erwähnten Bastelobjekte werden hier auch mit Bildern gezeigt.
Auch hier wieder Kinderzimmer-Ausstattungs-Alternativen für „billig Geld“, zum Beispiel ein ganz toller Tante-Emma-Laden aus Schuhkartons, Tapeten, Geschenkpapier und – Stoffballenpappen. Stoffballenpappen – ein Werkstoff aus dem andere sogar Kunst machen ![]()
Oder ein Kicker aus einer Pappkiste, Holzstöcken und Joghurtdrink-Fläschchen (sie durfte es im Buch nicht, aber ich nenne hier mal den Namen Actimel
) Es täten aber sicher auch Joghurtdrink-Becher von Aldi, Lidl, Rewe oder jedem anderen Supermarkt.
Sabine Bohlmann reist mit uns in ihrem Ideenreich durch die Kapitel bzw. Orte Pappenheim, Kunsthausen, Holzhausen, Geröllingen, Müllhalden und Stoffingen. Alleine die Namen versprechen schon kreative Ideen. Und so gibt es viele weitere, tolle Vorschläge fürs kreative Austoben. Wie gesagt, zwar mit grober Anleitung der Materialien und des Bastelvorgangs, aber alles ohne Schnittmuster und genaue Vorlagen.
Dazu zitiere ich aus dem Buch:
Dieses Buch soll Sie und Ihre Kinder mit Kreativität und Ideen anstecken, Mut machen zum Ausprobieren. Nicht gleich sagen: Ich kann das nicht, oder: So was habe ich noch nie gekonnt. Machen Sie einfach! Was haben Sie zu verlieren? Und Noten gibt es auch nicht.
In meinem Buch gibt es nicht viele genaue Schnittmuster, manchmal auch überhaupt keine Vorlagen. Ich bin kein Freund von Bastelsets und Vorlagen. Sogar in der ersten Klasse müssen die Kinder als Erstes in eine Kopie einer Schultüte die Dinge malen, die in ihrer Schultüte sind. Hat man so wenig Vertrauen in die Kinder, dass man ihnen nicht zutraut, selbst einen Schultütenumriss zu malen? Und was nützt einem ein Bastelset, bei dem alle fertigen Objekte genau gleich aussehen? Keine Chance, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass mal was krumm und schief wird, verleiht Fantasie dem Kunstwerk mehr eignene Note, als wenn man sich genau an die Vorlage hält.
Ein guter Kunst- oder Werkunterricht sollte den Kindern nur Material geben und eine Anregung, was man daraus machen kann, oder ein Thema. Am Ende sollten alle Werke so unterschiedlich aussehen, dass man das seines Kindes auf Anhieb erkennt – oder ganz erstaunt fragen kann: “Das hast du gemacht?”
Und noch einmal Sabine Bohlmann:
Ich bin überzeugt davon, dass Kinder, die viele Möglichkeiten haben, ihre Kreativität zu entfalten, auch besser und leichter lernen. Meine Forderung an die Schulen wäre, nicht immer mehr Kunst- und Musikstunden zu streichen, sondern eher noch mehr dieser Stunden in den Stundenplan aufzunehmen. Ich wünsche mir vom Schulsystem, dass es unseren Kindern Mut zur Fantasie und zur Kreativität macht, anstatt diese nach und nach zu ersticken.
Beobachten Sie doch mal ein Kind, das musiziert oder malt oder bastelt. Ich kann mich da gar nicht sattsehen, denn diese Kinder haben alle wunderschöne Gesichter. Totale Konzentration, Entspannung und ganz viel Liebe. Kein Kind guckt da leer oder müde, abwesend oder schlecht gelaunt. Ich bin kein Wissenschaftler, kann nicht erklären, was da passiert, aber für mich liegt es auf der Hand – Kreativität ist eines der besten Dinge, für Gehirn, Geist, Seele und Herz.
Nicht am falschen Ende sparen
Und sie erzählt, dass man nicht am falschen Ende sparen sollte: Zwei Mädchen wollten in ihrem Ideenreich gemeinsam ein Bild malen, und sie hatte zwar „schöne Leinwände“, war aber „irgendwie zu geizig, ihnen diese zu geben“. Die Mädchen bekamen also eine große Pappe zum Malen. Auf dieser Pappe entstand „ein wunderschönes Bild, und ich [also Frau Bohlmann] ärgerte mich über meinen Geiz und mein mangelndes Vertrauen in die Kreativität der beiden Mädchen.“
Und dann gibt es noch die Geschichte von einem Bild, das Sabine Bohlmann für eine Versteigerungs-Aktion der SOS-Kinderdörfer malte. Ihr Bild wurde mit 119 anderen Bildern versteigert, zum Teil Bilder von „Kunst-Künstlern“. Auf dem Bild hatte sie ein grünes Monster gemalt, und das Bild wurde bei der Abgabe im Büro freudig als „wirkliches Kindermotiv“ begrüßt. Aber nicht unbedingt für „Kunst“ gehalten. Das sahen allerdings drei begeisterte Monsterfans bei der Internetversteigerung ganz anders und lieferten sich eine heißen Kampf um das Bild. Wie das ausging kann man im Buch auf Seite 50 selbst nachlesen.
Auch bei dieser Geschichte das Fazit von Frau Bohlmann, dass es
für Kunst kein Thermometer oder keine Tabelle gibt, auf der man sehen kann, wie viel Kunst in einem Werk steckt. Was ist also ein Kunstsachverständiger? Einer, der von der Sache Kunst mehr Verständnis hat als andere [...]. Also dieser Kunstsachverständige kann messen und bestimmen, ob etwas Kunst ist oder nicht?
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Ursprünglich hatte ich diesen Artikel in einem neuen angelegten “Testblog” geschrieben und veröffentlicht, aber eigentlich ist es ja schade um dieses Blog, wenn ich schon so lange Artikel schreibe, deswegen habe ich den Artikel dort gelöscht und hierhin umgezogen. Ich hoffe mal, dass Google diesen Artikel auf diese Weise nicht als Double Content indexiert.
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[...] Noch eine Exkurs-Ebene tiefer Wer Kinder (und auch wer keine) hat, gerne bastelt und nicht für alles Schnittmuster oder Vorlagen benötigt, dem möchte ich diese beiden Bücher von Sabine Bohlmann wärmstens empfehlen: Ideenreich und Ein Löffelchen voll Zucker…. In beiden Büchern gibt es auch Vorschläge für “Scrapbooks” bzw. Familienjahrbücher. Da das jetzt wirklich nicht mehr in diesen Artikel gehört, lasse ich meine Begeisterung dazu bald in einem neuen Artikel aus. Wird verlinkt, sobald er fertig ist Update 19.06.2010: Den Artikel habe ich durch diverse Blogs “wandern” lassen, er ist seit dem 19.06.2010 endgültig hier zu finden: Kreative Bücher von Sabine Bohlmann [...]